RA-MICRO beschleunigen

Samstag 12. Juni 2010 von Rudolph

Wie baut man ein Netzwerk auf, mit dem Ziel ein möglichst schnelles RA-MICRO zu bekommen? Oder wie macht man ein vorhandenes schneller? Hier eine kurze Zusammenfassung:

Vorweg: Wunder können wir hiermit nicht bewirken. Zudem ist die RA-MICRO Kanzleisoftware einer ständigen Entwicklung unterlegen. Was heute gilt, kann in einigen Monaten schon obsolet sein. So ist EDV…
Wenn Ihre PCs 5 Jahre alt sind und der Server fast voll, dann investieren Sie lieber in neue Geräte.

Wenn dem nicht so ist, dann prüfen Sie folgende Punkte:

Netzwerk-Aufbau:

RA-MICRO bewegt viele Dateien im Netzwerk. Das sind zwar zumeist kleine Dateien, dennoch sind oft Switch und Server an ihren Grenzen. Prüfen Sie, ob Sie einen HUB einsetzen (deutlich langsamer als ein Switch, definitiv eine Bremse) und setzen Sie nach Möglichkeit Gigabit ein. Speziell bei selbstgebauten Servern sind passive Netzwerkkarten verbaut, die bei einem Netzwerk mit mehr als 5 Arbeitsplätzen und ggf. noch SQL und Exchange überfordert sind. Diese besser gegen Server-Netzwerkkarten austauschen (kosten um € 100,00 netto).

Insbesondere bei Gigabit-Nutzung prüfen Sie die Verkabelung auf Fehler. Aufschlussreich können die Detailanzeigen der Netzwerkverbindungen an allen Plätzen und dem Server sein. Dort sollte es im Normalbetrieb keine Fehler geben.

WLAN Nutzung sollte weiterhin vermieden werden. Nicht unbedingt aus Sicherheitsaspekten, vielmehr wegen der mangelnden Geschwindigkeit. Selbst eine 300 MBit/s WLAN-Verbindung erreicht im Produktivbetrieb nicht die Geschwindigkeit eines 100 MBit/s Kabelnetzwerks. Für die gelegentliche Nutzung eines Notebooks ist WLAN jedoch vollkommen OK.

Bei Netzwerken ab 15 Arbeitsplätzen (reiner Richtwert), sollte über die Bündelung der Netzwerkleitungen zwischen Server und Switch nachgedacht werden, um die Kommunikationsgeschwindigkeit zu maximieren.

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Der Server:

Bei RA-MICRO ist weiterhin alles abhängig von der Festplattenleistung. Hier sollten Sie nicht sparen und schnelle Festplatten anschaffen. Bei einem “richtigen” Server solche mit 15.000 Umdrehungen pro Minute. Es muss natürlich in das Budget der Kanzlei passen.

Mindestens 4 GB RAM haben heutige Server, um die 64-Bit Serverbetriebssysteme optimal auszuführen. Das reicht in aller Regel auch für RA-MICRO, selbst bei Einsatz eines SQL und Exchange Servers. RAM ist jedoch weiterhin verhältnismäßig günstig, so dass weitere Speicher leicht für Ruhe sorgt.
Über den Taskmanager können Sie prüfen, ob Ihr Arbeitsspeicher ausreicht. Ein gutes Indiz für zu wenig Speicher ist eine hohe Zahl von Speicherfehlern. Diese kommen meist durch die Auslagerung von Arbeitsspeicher auf die langsamen Festplatten zu Stande. Wenn Sie das entdecken, erweitern Sie den Speicher.

Achten Sie darauf, dass Sie auf Ihrer Systemplatte (in aller Regel C:) mindestens 30% freien Speicher haben, darunter bricht die Systemleistung dramatisch ein. Löschen Sie dann alles nicht benötigte. Auf jeden Fall jedoch nur zusammen mit einem Experten.

Virenschutz:

Sorgen Sie dafür, dass der Server nicht mit Virenscans belastet wird. Zumindest nicht mit einem online-Scanner. Auch Firewalls sollten nicht am Server betrieben werden. Das kostet einfach zu viel Zeit. Das Problem an dieser Stelle ist, dass die meisten Virenscanner die online-Schutz (Hintergrundschutz) nicht ausschalten können. Auch wenn angegeben, läuft der Dienst weiter und blockiert wertvolle Ressourcen. Virenschutz und auch eine Firewall sind jedoch enorm wichtig. Lassen Sie den Kampf jedoch nicht erst auf dem Server stattfinden. Die JUR-Wall liefert hier eine ideale Lösung, aber auch andere UTM-Systeme sind bestens geeignet, um insbesondere E-Mails auf Viren zu scannen, die den Server passieren.

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Arbeitsplätze:

RA-MICRO ist ein lokal installiertes Programm, dass auf Serverdaten zugreift. Somit ist die Leistung der Arbeitsplätze ausschlaggebend für einen optimalen RA-MICRO Betrieb. 2 GB RAM und ein Core2Duo Prozessor sind eine sehr gute Grundlage. Oft verpufft bei Individual-Systemen und Kleinserien die Leistung zwischen den Komponenten, die nicht gut aufeinander abgestimmt sind. Ein tolles Beispiel für das Gegenteil sind Systeme von Apple. Hier sind die Komponenten optimal abgestimmt und erreichen trotz vergleichsweisen schwachen Eckdaten immer herausragende Leistungen. Aber auch Dell, HP und andere haben die Großserien auf “Herz und Nieren” getestet und erreichen sehr gute Leistungswerte, bei hoher Zuverlässigkeit. Geben Sie hier lieber 50 Euro mehr aus, Sie werden (würden) den Unterschied merken.

Sobald Sie mit 2 Monitoren arbeiten, achten Sie auf eine Grafikkarte mit eigenem Speicher. Sogenannte Onboard Lösungen liefern hier nicht genug Rechenleistung und bremsen Ihr System.

Weiterhin gilt bei Computern: Installieren Sie nur das, was Sie auch brauchen und löschen solche Programme, die Sie nicht mehr nutzen. Lösungen, wie die Tuneup-Utilities helfen insbesonderen “Nichtprofis” dabei ihren PC sauber zu halten. Auch beim Thema “temporäre Dateien” sind diese kostengünstigen Helferlein Gold wert.

An den Arbeitsplätzen sollte nach Möglichkeit auf einen Virenschutz verzichtet werden. Aber Vorsicht: Hierzu gehört ein Konzept für das ganze Netzwerk. An Plätzen ohne Virenschutz dürfen Sie keine CDs, DVDs und USB-Sticks/Disketten einspielen. Zudem brauchen Sie eine UTM (z.B. JUR-Wall), wenn Sie sich im Internet bewegen. Damit können Sie aber auch bei aktuellen Systemen noch bis zu 30% Leistung herausholen.

Interessant ist auch das neue Konzept der Hybrid-Festplatten. Diese bestehen aus einem SSD-Speicherbereich und einer normalen Festplatte. Sie schlagen die Brücke zwischen den schnellen, aber kaum bezahlbaren SSD und den herkömmlichen Festplatten mit großen Volumina. Poweruser sollten sich hier näher informieren (gern bei uns).

Wir weisen an dieser Stelle noch einmal darauf hin, dass RA-MICRO nur Trendmicro als Virenschutz testet. Andere Virenschutzprogramme können zu erheblichen Leistungseinbrüchen führen.

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Im Programm selbst:

Im Programm selbst sollten Sie regelmäßig die integrierten Wartungen durchführen.

Zum Einen ist das Programmpunkt B32 (Namenslisten reorganisieren), zum Anderen sind das die E-Akten Tools. Programmpunkt D15.42, dann E-Akte, Extras. Dort führen Sie alle Tools  (Webakte nur wenn im Einsatz) durch.

Beide Funktionen können nur ausgeführt werden, wenn niemand sonst im Programm angemeldet ist. Sie dauern jedoch nur wenige Minuten, so dass man es in einer Mittagspause oder zum Feierabend hin erledigen kann. 1x pro Monat ist hierfür ein guter Richtwert.
Achtung: Wenn Sie RA-MICRO schon einige Jahre nutzen, “Namenslisten reorganisieren” jedoch nicht kennen, dann gehen Sie davon aus, dass es eher eine Stunde dauern wird.

Kanzleien, die mit MS Word arbeiten sollten im Speicherformat .doc oder .docx abspeichern. Diese Dateien sind meist deutlich kleiner als RTF Dokumente und werden somit schneller über das Netzwerk geladen. Zu finden ist diese “lokale” Einstellung in den MS Word Schnittstelleneinstellungen (D15.41).

Bei Nutzung des DMS (früher E-Akte) von RA-MICRO sollten Sie über dessen Umstellung auf SQL nachdenken. Die Reaktionszeiten sind hier einfach besser.

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Internet:

Immer wieder finden wir in Kanzleien mit mehr als 5 Plätzen Heim-Router im Einsatz. Dann wundert sich die Kanzlei, dass bei intensiver Nutzung sich Seiten nur langsam öffnen. Wer professionell arbeiten will, braucht professionelle Geräte. Router sind komplexe Systeme, lassen Sie sich hier beraten, was Sie wirklich brauchen. Für 50 Euro bekommen Sie jedoch kaum ein Gerät, dass professionellen Ansprüchen genügen kann.

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Ist Ihr Netzwerk nun immer noch langsam? Dann sollten Sie dringend einen Experten heranziehen. Möglicherweise haben Sie einen Trojaner im Netzwerk oder sind Bestandteil einer BOT-Netzwerks. Das ist nicht nur gefährlich und bedroht Ihre Daten, es kostet die Kanzlei enorm viel Zeit.

Richtwert zur internen Überprüfung:

Nehmen Sie eine umfangreiche Akte (viele Beteiligte, Termine, Akten- und Forderungskonto). In dieser Akte öffnen Sie die Akteninformation. Diese sollten Sie nach 5-7 Sekunden aufgebaut bekommen. Dauert es bei Ihnen länger, können wir es optimieren. Rufen Sie uns an!

Sie erreichen uns über 0511/47390640 oder per E-Mail: ra-micro@fritcon.de.

Dieser Beitrag wurde erstellt am Samstag 12. Juni 2010 um 11:57 und abgelegt unter Allgemein, Know-How. Kommentare zu diesen Eintrag im RSS 2.0 Feed. Sie können einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf Ihrer Seite einrichten.

Ein Kommentar über “RA-MICRO beschleunigen”

  1. Englmaier schrieb:

    Vielen Dank für diese ausführlichen Hinweise zur Performance-Verbesserung. Die Punkte sind nachvollziehbar und stimmig.
    P. Englmaier
    (SysAdmin RA-Kanzlei Pankonin & Partner)

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